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Wohnungen ohne Terrasse verkaufen sich schlechter

Der Markt verlangt nach Wohnungen mit Freiflächen - Bauträger und Architekten bauen kaum noch ohne diese.
 

altFür viele Städter ist eine Wohnung mit Terrasse, Loggia oder Balkon ein Traum, den sie sich meist später als früher verwirklichen. Und dann sollten es schon mehr als zwei Quadratmeter an einer Durchfahrtstraße sein. "Eine Wohnung ohne Freifläche bringen wir gar nicht an", sagt Herwig Koppitz von der gemeinnützigen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Neues Leben. Dieser Trend habe sich in den vergangenen fünf Jahren verstärkt. Deshalb baut Neues Leben Wohnungsbauten ausschließlich mit Balkon, Loggia oder Terrasse. 
 
Zuletzt hat die Genossenschaft ein hoch gelobtes Terrassenhaus in Wien-Kagran fertig gestellt. "Bremer Stadtmusikanten" lautete der Arbeitstitel der Artec-Architekten Bettina Götz und Richard Manahl. Auf den ersten Blick, von der Fassadenseite zur Tokiostraße, ist der Zusammenhang mit den Fabeltieren nicht ersichtlich. Hofseitig ist die Staffelung der Bauteile erkennbar, die - wie im Märchen Esel, Hund, Katze und Hahn - nach oben hin kleiner werden. Ganz oben sitzen schmale, zweistöckige Kleingartenhäuschen, zu denen jeweils relativ große Terrassenflächen gehören. Jede Wohnung erhält auf diese Weise eine Terrassen- oder Loggiafläche.
 

Landleben
 

"Worum es eigentlich geht", sagt Architekt Manahl, "ist, Bautypen, die eigentlich am Land zu finden sind, wie ein Kleingartenhaus, in eine dichte, urbane Situation zu bringen." An der Fassadenseite sind die Achsen so versetzt, dass große Loggien mit dreieckigen Grundrissen entstehen, die über zwei Stockwerke gehen, also sehr luftig sind. In einigen Jahren wird auch die Begrünung im Hof und am Gebäude so weit sein, dass ein weiteres Stück Land in die Stadt kommt. Als i-Tüpfelchen wurde für die Bewohner ein Swimmingpool oben auf das Dach gesetzt. Die Miete der kleinsten der insgesamt 72 Einheiten (55 bis 115 Quadratmeter), von denen noch 25 frei sind, kosten Koppitz zufolge 400, die größten 800 €. Nach zehn Jahren gibt es eine Kaufoption.
 
altDass Terrassenwohnbauten bei Mietern sehr beliebt sind, zeigt sich auch am anderen Ende der Stadt, beim Wohnpark Alt-Erlaa aus den 70er- und 80er-Jahren. Friedrich Maierhofer, Leiter der Gesiba-Hausverwaltung, die den Wohnpark betreibt: "Von 3160 Wohnungen sind derzeit aus administrativen Gründen drei bis vier frei. Wir haben hunderte Vormerkungen." Das Wohnen in den terrassierten Bauten ist so beliebt, dass Kinder, die hier aufgewachsen sind und wegziehen, "reumütig zurückkehren". Maierhofer nimmt an, dass das zu einem guten Teil daran liegt, dass bis auf 30 Wohnungen alle eine Loggia oder Terrasse haben. Der Mietpreis pro Quadratmeter in Block A ist 8,62 € (warm). Darin sind aber auch die Nutzung der sieben Dachpools, der Hallenbäder und weiterer Freizeiteinrichtungen inkludiert. Auch Gesiba-Neubauten werden zu etwa 95 Prozent mit Freiflächen gebaut.
 

Tradition
 

"Wenn man in Wien von Terrassenwohnhausanlage spricht, denken alle an den Wohnpark Alt-Erlaa, der 1985 fertig gestellt wurde", sagt Gabriele Kaiser, Kuratorin am Architekturzentrum Wien. Dabei habe dieser Typus eine viel ältere Geschichte, nur blieben viele Entwürfe im Projektstadium stecken. "Im Einfamilienhausbau hatte der Terrassenhaustypus größere Realisierungschancen." Ein großartiges Beispiel sei das Haus Scheu von Adolf Loos in Hietzing von 1912/13. "Es gilt sogar als das erste Terrassenhaus Mitteleuropas."
 
Die erste Hang-Terrassensiedlung in Österreich war übrigens die Siedlungsanlage Goldene Stiege von Eugen Wörle in Mödling aus den späten 70ern. Und als eines der besten Beispiele für Terrassenhaussiedlungen, das auch für die Artec-Architekten ein wichtiger Impulsgeber war, wird die Grazer Siedlung St. Peter genannt.
 
Weitere spannende (Terrassen-)Projekte dürfen insbesondere in Wien zu erwarten sein, denn, sagt Architekturexpertin Kaiser: "Die diesbezüglichen Leistungen im gegenwärtigen geförderten Wohnungsbau sind herausragend."
 
Quelle: Wirtschaftsblatt

 

 
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